Vorhand Topspin (Grundtechnik)

Vorhand Topspin Grundtechnik

Der Vorhand Topspin ist der wichtigste Grundschlag, Angriffstechnik im modernen Tischtennis. Der Vorhand Topspin kann auf alle Bälle mit unterschiedlichsten Rotationen und in jeder Distanz zum Tisch gespielt werden. Gegen Unterschnitt kann der Vorhandtopspin mit viel Rotation gespielt werden und dient zur Vorbereitung des Punktgewinnes. Harte Vorhandtopspins mit hohem Tempo werden zum Punktgewinn eingesetzt.
Da wir verschiedene Variationsmöglichkeiten haben und hier Technikänderungen vorgenommen werden müssen, wird der Vorhand Topspin detailliert untersucht.

Taktik

Der Vorhand Topspin hat heute das Ziel, schnell einen Punktgewinn zu erzielen. Hier ergeben sich deutliche Abweichungen im modernen Tischtennis gegenüber dem Tischtennisspiel vor der Einführung des Plastikballes.
Wurde vor der Einführung des Plastikballs der Vorhand Topspin noch mit viel Rotation gespielt, zum Beispiel gegen Schnitt/Schupf Bälle, um einen Vorbereitungstopspin zu spielen, hat sich dies zumindest im Spitzensport gewandelt. Auch aggressive Schupfbälle werden mit viel Tempo auf Punkt gespielt. Der klassische Topspin mit viel Rotation hat ausgedient, da durch den Plastikball kaum noch Rotation erzeugt wird und der Ball auch zu hoch abspringt. Es kann dieser Topspin sofort fest gegengezogen werden oder mit Block/Konter-Spiel aggressiv retourniert werden.
Das klassische Spiel, das auch ich noch erlernt hatte, mit viel Rotation vorzuziehen dann mehrmals nachzuspielen, bis man einen festen Topspin zum Punktgewinn ansetzt, ist Geschichte.
Kommen wir aber nun erstmal zum klassischen Topspin, den jeder erstmal fehlerfrei erlernen sollte.

Wir unterscheiden zwischen dem Vorhand Topspin auf Unterschnitt und dem Vorhand Topspin auf Überschnitt.

Folgende Anwendungsfälle:
1. VH-Topspin als Eröffnungsschlag gegen Schupf
2. VH-Tospin als Eröffnungsschlag gegen Flip
3. VH-Tospin gegen Unterschnitt
4. VH-Tospin gegen VH-Topspin (1-2m Distanz)
5. VH-Tospin gegen VH-Topspin (3-4m Distanz)
6. VH-Tospin gegen VH-Topspin am Tisch (0,5m Distanz)

Von der Aufzählung her kann man schon ableiten, dass der VH-Topspin doch in vielen Nuancen gespielt werden muss und es vielfältige technische Anforderungen gibt. Es muss eine feine Abstimmung zu den einzelnen Topspinarten gemacht werden.

Vorhand Topspin gegen Überschnitt

Der Vorhand Topspin auf Überschnitt hat die Geschwindigkeit als dominierente Komponente. Die Rotation des Balles spielt auch eine große Rolle. (Tischtennis Lehrplanreihe: Schlag- und Beinarbeitstechnik, 2007)

Der Topspin ist ein offensiver Schlag, der benutzt wird, um Punkte zu machen. Er kann mit Tempo oder mit viel Rotation gespielt werden. Die gekrümmte Flugbahn bewirkt, dass der Ball trotz hoher Geschwindigkeit den Tisch trifft (Magnuseffekt). (Tischtennis Lehrplanreihe: Schlag- und Beinarbeitstechnik, 2007, S. 20)

Ziel des Schlages
Der Vorhand Topspin hat das Ziel einen schnellen Punktgewinn zu machen. Dies kann über Tempo, Rotation oder Platzierung geschehen.

Grundtechnik
Video Vorhand Topspin Grundtechnik gegen Vorhand Block

Grundstellung

Die Grundstellung der Füße in der Ausgangsstellung ist leicht geöffnet, d.h., bei Rechtshändern steht der rechte Fuß hinter dem linken Fuß. Der Abstand der Füße ist etwas größer als die Breite der Schulter, eine zu breite Grundstellung sollte vermieden werden. Der Körperschwerpunkt ist dabei mittig und auf beide Füße ist das Gewicht gleichmäßig verteilt. Der Oberkörper ist nach vorne gebeugt, so dass der Spieler eine leichte Vorlage bekommt.

Achtung: Abweichende Grundstellung im Profibereich
Die Profis stehen meistens parallel mit den Füßen zum Tisch, da Tischtennis mittlerweile so schnell geworden ist, dass die Profis so in Zeitdruck spielen und keinen Ausfallschritt mehr machen können.

Grundstellung

Ausholphase

Die Ausholphase beginnt durch eine Drehung im Hüft- und Schultergelenk nach hinten unten. Dadurch verändert sich der zuvor mittige Körperschwerpunkt, es erfolgt eine Gewichtsverlagerung auf das rechte, nach hinten versetzte Bein, das nun deutlich angewinkelter als das linke Bein ist. Der Schlagarm wird leicht gebeugt nach hinten unten geführt. Um eine gute Beschleunigung des Schlägers zu erreichen dürfen der Ellbogen und der Oberarm nicht am Körper anliegen.

Bild: Ausholbewegung

Hier im Bild beginnt die Ausholphase klassisch in Kniehöhe. Der Vorhand Topspin wurde gegen Block gespielt. Wie hier auch in: Tischtennis mit Timo Boll, Seite 124, Foto S 2.

In der Lehrplanreihe des DTTB spricht man von Hüfthöhe (Schlag- und Beinarbeitstechnik, 2007, Seite 23).

Nach meiner Meinung sollten wir im modernen Tischtennis auch in der Grundtechnik nur noch bis zur Höhe des Tisches ausholen. Dazu später im nächsten Kapitel.

Schlagphase

Durch eine Drehbewegung des Oberkörpers, die durch den freien Arm unterstützt wird, wird die Schulter des Schlagarms nach vorne oben bewegt.

Bild: Eindrehbewegung

Während der Schlagphase wird das Körpergewicht vom rechten auf das linke Bein verlagert. Der Schläger bewegt sich während der Schlagphase in einer gedachten geraden Linie nach vorne oben. Die Unterarmbewegung, die durch einen Handgelenkeinsatz unterstützt wird, stellt den wichtigsten Teil der Bewegung dar. Dadurch wird der Schläger während des Balltreffpunktes Beschleunigung. Der Ellbogen wird dabei sehr schnell angewinkelt. Das Handgelenk wird kurz vor dem Treffen des Balles in Schlagrichtung beschleunigt.
Der Ball wird in einem virtuellen Dreieck, seitlich vor dem Körper tangential getroffen. Beim klassischen Tischtennis wird der Topspin am höchsten Punkt oder in der fallenden Phase getroffen.

Bild: Gewichtsverlagerung auf den rechten Fuß (wichtig)

Der Ball wird in einem virtuellen Dreieck, seitlich vor dem Körper tangential getroffen.

Bild: Goldene Dreieck

Balltreffpunkt
Die Art des Balltreffens hängt von dem Schlagziel ab. Soll der Topspin auf Punkt gespielt werden, dann muss der Ball zentral getroffen werden. Wird der Vorhand Topspin als Rotationstopspin gespielt, zum Beispiel als Vorbereitungsschlag, dann wird der Ball nur leicht gestreift und mehr tangential getroffen. Der Schläger, Ballkontakt wird durch den eingestellten Schlägerblattwinkel festgelegt.

Bild: Balltreffpunkt

Der Ball kann in jeder Phase der Flugkurve (siehe oben) getroffen werden. Beim klassischen Tischtennis wird der Topspin am höchsten Punkt oder in der fallenden Phase getroffen.

Nach dem Balltreffpunkt wird die Ausschwungphase eingeleitet.

 

Ausschwungphase

Nach dem Balltreffpunkt ist das Körpergewicht auf dem linken Bein verlagert. Die Schulter befindet sich parallel zur Grundlinie des Tisches und der Schläger schwingt locker bis in Stirnhöhe aus.

Bild: Ausschwungphase

Die Rückkehr in die Ausgangsstellung erfolgt durch eine Drehung des Rumpfes nach rechts. Der Schläger wird auf direktem Weg in die Ausgangsstellung zurückgeführt.

Kommen wir nun zu den Fehlerbeschreibungen.

 

 

Grundtechnik

Fehlerbeschreibungen

Techniken sind genau festgelegte für spezielle Aufgaben konstruierte Handlungsanweisungen für Bewegungen. (Luthardt/Muster/Straub, Tischtennis, 2016, Seite 125)
Eine Fehlerbeschreibung geht davon aus, dass es einen idealen Bewegungsablauf aus dem Lehrbuch gibt. Abweichungen von dieser idealen Bewegung werden dann als Fehler bezeichnet.

Beim Vorhand Topspin währe der Bewegungskern:
Seitliche Grundstellung, der Arm überholt den Körper mehr oder weniger von hinten unten nach vorne oben und streift den Ball (Luthardt/Muster/Straub, Tischtennis, 2016, Seite 125).

Natürlich gibt es nicht den »einen Vorhand Topspin«, sondern viele verschiedene sehr gute Topspin Bewegungen. Schaut man die Spieler der Weltklasse an, so sind auch hier Abweichungen beim Vorhand Topspin zu sehen (hier wäre nur Timo Bolls abweichende Technik in der Ausschwungphase zu nennen). Jedoch sind diese Normabweichungen nur von geringer Art.

Gehen wir aber in den Freizeitbereich, können  Vorhand Topspins erheblich von der Norm abweichen und die Qualität (Tempo, Spin, Kontrolle) nimmt erheblich ab. Um genau diese Fälle geht es hier.

Als Trainer mit langjähriger Erfahrung stelle ich euch abweichende Topspin Bewegungen vor, die zu Fehlern führen oder zumindest im Spiel keinen Vorteil kreieren.
Wichtig ist hierbei, dass diese Abweichungen im Allgemeinen häufig vorkommen.

Beispiel:
Tiefe Ausholbewegung
Die im Bild gezeigte Ausholbewegung beim Vorhand Topspin wäre definitiv zu weit unten und es würde wichtige Zeit für den nächsten Schlag verloren gehen. Selbst wenn mit dieser Technik sicher der Ball auf den Tisch gespielt werden würde, lägen zu viele Nachteile vor. Wir sprechen hier von einem Fehler.

Fehler in der Ausholphase

Fehlerbeschreibung

Achtung: Hier wird Vorhand Topspin gegen Block gespielt. Auf diese Technik ist die Fehlerbeschreibung ausgerichtet.

Wie im Video zu sehen ist, liegen drei Fehler vor:
1. Der Oberarm liegt zu eng am Körper an.
2. Die Ausholbewegung geht sehr tief bis unter das Knie.
3. Der Schläger wird nach vorne unten abgewinkelt.

Zu 1:
Durch das enge Anliegen des Schlagarms am Körper, wird zwangsläufig der Schläger nach unten geführt und eine tiefe Ausholbewegung ist vorprogrammiert. Für mein Verständnis vom modernen Tischtennis (siehe unten) verlieren wir mit einer tiefen Ausholbewegung zu viel Zeit für den nächsten Topspin.

Zu 2:
Zu sehen ist hier eine zu tiefe Ausholbewegung, die oben schon prognostiziert wurde und wie gesagt geht kostbare Zeit für den nächsten Schlag verloren.

Zu 3:
In dieser Schlägerhaltung könnte er den Ball unmöglich treffen, d.h. er muss eine unnötige Bewegung zum Öffnen des Schlägers machen. Auch dies kostet zum einen Zeit, zum anderen kann die Gegenbewegung zu spät kommen und Kantentreffer sind vorprogrammiert (wie im Video zu sehen ist).

Auswirkungen der Fehler
Durch eine zu tiefe Ausholbewegung wird wichtige Zeit verloren, um den nächsten Ball zu spielen. Die tiefe Ausholbewegung bewirkt ein zurückweichen vom Tisch. Spieler mit dieser Technik neigen dazu, aus der Halbdistanz zu spielen. Ein Spiel mit Topspin am Tisch ist mit dieser Technik nicht möglich. Die Nachteile des Spiels aus der Halbdistanz zeige ich im nächsten Kapitel auf.
Eine direkte Auswirkung der Vorspannung des Handgelenks sind Kantentreffer. Hier muss auch die Schlägerhaltung kontolliert werden.

Fehlerbeschreibung Schlagphase

Fehlerbeschreibung

Achtung: Hier wird Vorhand Topspin gegen Block gespielt. Auf diese Technik ist die Fehlerbeschreibung ausgerichtet.

Wie im Video zu sehen ist, liegen vier Fehler vor:
1. Die Grundstellung des Körpers ist zu aufrecht.
2. Die Schlagbewegung ist kreisförmig nach vorn oben und geht nicht zur Stirn.
3. Das Körpergewicht liegt nicht auf dem Vorderfuß - Rückenlage.
4. Der Schläger ist gekippt, angewinkelt.

Zu 1:
Eine zu aufrechte Stellung beinhaltet häufig, dass der Spieler beim Vorhand Topspin in Rückenlage fällt. Durch die Rückenlage werden Topspins häufig über den Tisch gespielt oder das Tempo des Schlages muss reduziert werden. Dadurch wird das Spieltempo im Match insgesamt langsamer und entspricht nicht dem modernen Tischtennis (siehe nächstes Kapitel).

Zu 2:
Die Schlagbewegung weicht von der geraden gedachten Linie nach vorne oben ab. Durch die kreisförmige Bewegung wird der Ball beim Balltreffpunkt mehr gestreichelt also Rotation erzeugt. Es wird mehr auf Rotation gespielt und der Spieler neigt dazu sich vom Tisch zu entfernen - er spielt aus der Halbdistanz. Ein Spiel direkt am Tisch ist so nur sehr schwer umsetzbar.

Zu 3:
Durch die aufrechte Stellung wird das Gewicht nicht auf den Vorderfuß verlagert, hierdurch kommt dann die Rückenlage beim Schlag zustande. Punkt 1 und 3 hängen zusammen.

Zu 4:
Ein zu starkes Vorspannen des Schlägers, und zwar in gekippter Form führ häufig zu Kantenbällen beim Schlag. Siehe auch obiges Video, mit Erklärung.

Auswirkungen der Fehler
Durch die aufrechte Stellung mit der kreisförmigen Schlagbewegung wird ein Rotationstopspin gespielt. Das Tempo muss der Spieler reduzieren, sonst geht der Ball häufig über den Tisch.
Weiterhin neigen Spieler mit dieser Technik dazu, in die Halbdistanz zu gehen. Im modernen Plastikball Tischtennis hat ein Spiel aus der Halbdistanz viele Nachteile, die wir im nächsten Kapitel erörtern.

 

Fehler in der Ausschwungphase

Fehlerbeschreibung

Achtung: Hier wird Vorhand Topspin gegen Block gespielt. Auf diese Technik ist die Fehlerbeschreibung ausgerichtet.

Wie im Video zu sehen ist, liegen vier Fehler vor:
1. Die Ausschwungphase ist zu lang und geht bis zur Brust hinter den Kopf.
2. Der freie Arm unterstützt die Bewegung nicht, er bewegt sich gegengleich.
3. Das Körpergewicht wird nicht auf das linke Bein verlagert - Rückenlage.
4. Der Oberkörper ist zu gerade.

Zu 1:
Der Weg der Ausschwungphase ist zu lang, denn der Schläger muss ja wieder in die Grundstellung zurückgeführt werden. Hier geht wichtige Zeit für den nächsten Schlag verloren.

Zu 2:
Durch eine Gegenbewegung des freien Arms wird der Oberkörper nach oben bewegt. Hier ist eine Gewichtsverlagerung auf das linke Bein nicht mehr möglich. Die Bewegungsenergie geht nach oben. Mit aufrechtem Oberkörper werden häufig Bälle über den Tisch gespielt (Rückenlage).

Zu 3:
Wie unter 2. schon ausgeführt wird das Gewicht nicht auf das linke Bein verlagert. Die Bewegungsenergie wird nicht übertragen und eine schnelle Beinarbeit für den nächsten Ball ist nicht möglich, da eine Gewichtsverlagerung zum linken Bein den Spieler ermöglicht sich schnell zum nächsten Schlag zu bewegen.

Zu 4:
Durch die aufrechte Stellung wird das Gewicht nicht auf den Vorderfuß verlagert, hierdurch kommt dann die Rückenlage beim Schlag zustande. Punkt 2 und 3 erklären Punkt 4.

Auswirkungen der Fehler

Durch die lange Ausschwungphase ist ein modernes Tischtennis mit Vorhand Topspin am Tisch nicht möglich, denn nur mit kurzen Bewegungen wird am Tisch gespielt. Aus diesen Gründen müssen alle Bewegungen verkürzt werden.

Siehe nächstes Kapitel: Moderner Vorhand Topspin am Tisch